Mit dem Postschiff MS Nordstjernen auf der Hurtigruten, 07. Februar - 11. März 2012

(Eine kleine Info zum Anfang: Im Reisbericht finden sich viele Bilder eingestreut, die aber die meistens nicht vergrössert werden können. Für eine Diashow mit 200 Bildern bitte auf die Flagge klicken)

Das zweite Ziel auf meiner privaten Reisecheckliste war schon seit meiner Schulzeit die Hurtigruten, die alte Postschifflinie der norwegischen Küste entlang. Aber eines war klar: es sollte eines der alten Schiffe sein und kein Kreuzfahrtschiff der neuen Generation. Da nun schon lange das Gerücht ging, die MS Nordstjernen sollte ausgemustert werden war klar, jetzt muss es sein. Dazu mein 10-jähriges Dienstjubiläum 2011 und mein runder Geburtstag 2012, die idealen Voraussetzungen, mir selber diese Reise zu «schenken». Und tatsächlich, ich schaffte es gerade noch zur zweitletzten Fahrt der MS Nordstjernen.


(die ersten beiden Bilder können durch anklicken vergrössert werden)

Die zweite Frage nach der Schiffswahl war die Wahl der Strecke. Da ich eigentlich auch sehr gerne Zug fahre, war auch hier sofort klar: die Bergenbahn muss sein und wenn es geht auch die Dovrebahn. So war auch diese Frage ganz schnell geklärt. Weil die Nordstjernen klein und die Ausflüge darum sicher nicht überbucht sein würden, habe ich darum nur die Nordkapp-Tour gleich mitgebucht. Hier die Strecke:

 

Zwei Tage nach meinem Geburtstag ging es dann also los:

27. Februar: Frühmorgens Flug nach Oslo (inkl. eine Übernachtung)

Etwas grau in grau begrüsste mich Oslo nach rund 30 Jahren zu meinem zweiten Besuch. Dank der Flughafenbahn «Flytoget» war ich sehr schnell in der Stadt und gleich neben der «Sentralstasjon» fand ich auch mein Hotel «Thon Opera». Kurz den Koffer deponieren und dann nichts wie in die Stadt. Auf den ersten Blick hatte sich nicht viel verändert: Die Festung Akershus, das Schloss, die Einkaufsstrassen, das Rathaus, die Domkirche... Beim zweiten Blick fanden sich überall Baustellen und Neubauten, der spektakulärste wohl das neue, ins Meer gebaute Opernhaus. Und gleich neben dem Hotel wird die alte Industriezone mit modernsten Hochhäusern bestückt.

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28. Februar: Mit der Bergebahn von Oslo nach Bergen

Eine wunderschöne Bahnstrecke! Am Morgen startete ich meine Reise, wieder an der «Sentralstasjon» direkt nebenan. Im Zug macht ich es mir gemütlich mit Karte, Fotoapparat und einem Buch - und natürlich auch einem kleinen Lunch, da die Fahrt 7 Std. und 20 Min. dauern sollte. Oslo zeigte sich immer noch grau, und Schnee lag nicht gerade in Mengen. In Richtung Hochland setzte sich aber immer mehr die Sonne durch und die Schneedecke wurde auch immer etwas kompakter. In Geilo, einem Wintersportort, war es dann wirklich herrlichster Winter! Eine tolle Bahnfahrt über die norwegischen Berge, hinauf nach Finse (mit 1111 m.ü.M. der höchste Punkt der Strecke). Da zogen über die Kuppe die ersten Nebelschwaden und die restliche Fahrt hinunter nach Bergen umhüllten uns Nebel- und Regenwolken, die vom Meer her an die Berge gedrückt wurden. Bergen, berühmt für seine 27 verschiedenen Regenarten, empfing uns darum gleich mit einer Vorführung seiner Spezialität, einem feinen aber durchdringenden Nieselregen.

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29. Februar: Bergen und Abends Einschiffen auf der MS Nordstjernen

Am anderen Morgen hatten wir tatsächlich anderes Wetter! Diesmal war es ein gründlicher Landregen mit schlechter Sicht in alle Richtungen. Der Aussichtspunkt Fløyen wurde darum gestrichen, und dafür die Stabkirche Fantoft und das Aquarium in mein Programm aufgenommen. Zuerst aber natürlich ein Gang durch die Innenstadt von Bergen mit seinen wunderschönen Häusern und den Bryggen-Häusern am Ufer des Fjordes. Wegen dem Regen stieg der Kaffee-Konsum an diesem Tag schon ziemlich an, zum Glück gibt es dazu in Norwegen feine Backwaren. Die Stabkirche im Vorort Fantoft konnte ich finden, nachdem ich herausgefunden hatte, wie die ö.V.s in Bergen funktionieren. Leider war die Kirche - im Gegensatz zu den Hinweisen in den Reiseführern - im Winter geschlossen. Den Nachmittag verbrachte ich dann im überdachten und darum trockenen «Akvariet i Bergen», bei Pinguinen und Haien. Noch interessanter als die Fische waren aber die Leute!

Zwischen 16.00 und 18.00 Uhr konnte man dann Einschiffen. Das Hurtigruten-Terminal in Bergen funktioniert wie ein Flughafen: Check-In, Laufbänder fürs Gepäck und Fingerdocks zum Schiff (leider war unsere Nordstjernen dafür viel zu klein und wir bestiegen sie ganz normal über eine kleine Gangway). An der Reception mit Bordkarte und Schlüsselkarte ausgerüstet hatte ich bis zum Nachtessen etwas Zeit, um mich auf dem Schiff gründlich umzusehen, mir eine Kaffeetasse (Coffee Package) zu kaufen und meine Kreditkarte registrieren zu lassen.
Nach dem Znacht-Buffet legten wir dann um 22.30 Uhr endlich ab und los ging die Reise.

    
Fahrplan Winter 2011/12 (zum Vergrössern anklicken)

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01. März: Florø - Torvik - Ålesund - Molde

Ein ziemlicher unruhiger Tag mit Regen und Wind. Gerade richtig, um sich an den Wellengang zu gewöhnen. Das Gehen auf einem schaukelnden Schiff, mit einem Frühstücksteller und einer Tasse Kaffee in der Hand erwies sich als ziemlich schwierig. Der grosse Landgang in Ålesund wurde leider auch ziemlich verregnet. So schön diese vielen Jugendstilhäuser auch sind, mit durchnässten Kleidern kann man sie einfach nicht richtig geniessen. Auch die wunderschöne, stimmungsvolle Kirche konnte ich nur von ganz hinten anschauen ... bei einer Beerdigung. Gegen 19.00 h kamen wir dann aufs offene Meer und das Schaukeln steigerte sich beträchtlich. Ich legte mich etwas in die Kabine - und verschlief prompt das Nachtessen. Leise Zweifel regten sich, ob eine Schiffsreise wohl das Richtige sei für mich ...

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02. März: Kristiansund - Trondheim - Rørvik

Die Nacht muss ziemlich stürmisch gewesen sein, sogar das Mineralwasser kam mir mit Schwung entgegen beim Flasche öffnen! Ich habe dank / trotz der Schaukelei wunderbar geschlafen.
Was doch das Wetter ausmacht bei einer Stadtbesichtigung! In Trondheim fühlte ich mich gleich wohl und habe den Landausflug sehr genossen, auch wenn das Trottoir so eigenartig schaukelte. Eine kleinere Stadt mit einer netten Atmosphäre. Nur den Schnee vermisste ich immer noch! Schon um 12.00 h legten wir wieder ab und dann ging es ohne weitere Halt weiter bis Rørvik (20.45 h). Dabei ging es wieder 2 Stunden über die offene See bei Folda - eine berüchtigte Ecke - nur hat es diesmal die erste Nachtessenschicht getroffen mit stürzenden Gläsern und Stühlen. Dank etwas Chemie für mich diesmal kein Problem!

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03. März: Brønnøysund - Bodø - Svolvær

Toll, das erste Highlight des Tages knapp verschlafen! Den Polarkreis sah ich gerade noch hinter uns verschwinden und auch die letzten grösseren Wolken für ein paar Tage. Ein ruhiger Tag auf dem Schiff zeichnete sich ab. Ein paar kurze Stopps an kleineren Häfen, viel Landschaft und Wasser und alles in allem eine ruhige Fahrt. Sogar die Überfahrt nach Stamsund auf den Lofoten war aussergewöhnlich ruhig, zum ersten Mal waren alle zum Nachtessen anwesend. Nach dem Auslaufen in Svolvær um 22.00 h dann ein ganz grosses Highlight: Eine Mondscheinfahrt durch den schmalen und 26 km langen Raftsund. Rechts und links schneebedeckte Hänge und Felsen, über uns der Vollmond und mittendrin unsere MS Nordstjernen. Und zur Krönung: die ersten (zwar noch etwas bescheidenen) Nordlichter! Eine fast mystische Fahrt durch die Nacht.

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04. März: Stokmarknes - Harstad - Finnsnes - Tromsø - Skiervøy

Nach einer sehr kurzen Nacht dann ein entspannter Morgen. Gemütlich tuckerten wir zwischen den Vesterålen-Inseln durch, genossen ein spätes Frühstück und dann wegen dem Landausflug ein frühes Mittagessen. Um 14.30 h legten wir dann in Tromsø an, wo ein Kleinbus auf uns wartete und uns zu unserer Hundeschlittentour brachte. Im Camp warteten schon unsere Hunde - 80 an der Zahl - eingespannt vor den Schlitten, aufgeregt bellend und heulend - ein ohrenbetäubender Lärm! Kaum waren die Schneeanker weg und das Start-Kommando gegeben, hörte man ausser dem Knirschen der Schlitten und den gelegentlichen Rufen der Musher nichts mehr. Ein Traum in Weiss auf 320 Pfoten und 16 Schlittenkufen, und das ganze bei Sonnenuntergang. Was kann es Schöneres geben?

 

Die grosse Nacht der Nordlichter:

Kaum zurück auf dem Schiff sichteten wir die ersten Nordlichter. Zugunsten des Polarbuffets gingen wir trotzdem um 19.00 h zum Nachtessen. Wir hatten gerade knapp das Dessert auf dem Teller, als der grosse Nordlichteralarm über Lautsprecher kam. Also alles stehen und liegen lassen und zurück an Deck. Was dann folgte, war absolut spektakulär und einmalig: Die grosse Show der Nordlichter! Grüne Lichter tanzten über den ganzen Himmel, an jeder Ecke flackerte und leuchtete es, ein phantastisches Schauspiel, das man kaum beschreiben kann. Fast zwei Stunden dauerte die Vorstellung. Sollte man jetzt wirklich zu Bett gehen (müde wäre man ja nach der kurzen Nacht vorher) ? Aber dann verpasst man vielleicht die Fortsetzung? Auch in den nächsten Nächten hatten wir wieder Nordlichter, aber die Show von dieser Nacht war definitiv nicht zu toppen!

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05. März: Hammerfest - Havøysund - Honningsvåg / Nordkap - Berlevåg

Ein weiterer gemütlicher Morgen an Bord, aber nicht ereignislos! Nach der kurzen Begegnung mit einem Schweinswal - der Kapitän drehte mit uns eine Ehrenrunde, um ihn genauer zu sehen - durften wir den Chef persönlich auf der Brücke besuchen. Verglichen mit den grossen Schiffen eine einfache Sache: Die alten Steuergeräte und ein paar Hightech-Bildschirme, damit trotzt die MS Nordstjernen Wind und Wetter und bringt uns voran. Dazu gab es ein paar interessante technische Einzelheiten und ein nettes Gespäch. Um 11.00 h wurden wir schon wieder zum Brunch gebeten, links und rechts die Inseln des Magerøysundes. Um 11.45 h dann schon das Anlegen in Honningsvåg, dem Ausgangspunkt zur Busfahrt zum Nordkap. Über die Nordkap-Strasse ging es im Konvoi mit dem Schneepflug und dem Sicherheitsjeep zum (fast) nördlichsten Punkt Europas. Auch hier hatten wir es wieder toll getroffen: Sonne, windstill, warm (-8 Grad) und nur wir - das gibt es nur im Winter und auch dann nur ganz selten!

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06. März: Båtsfjord - Vardø - Vadsø - Kirkenes - Vardø - Berlevåg

Die Barentsee zeigte sich heute erstaunlich friedlich und ruhig (das soll gar nicht üblich sein). Schon um 10.00 h legten wir in Kirkenes an, dem Wendepunkt unserer Reise. Ein Teil der Mitreisenden verliess uns hier und fuhr heim. Ich hatte mich noch einmal für eine Hundeschlittenfahrt entschieden, was auch genau richtig war. In einer anderen Landschaft war es wieder ein neues Abenteuer, diesmal hatten wir auch etwas Zeit um «unsere» Hunde kennen zu lernen und für einen kurzen Musher-Kurs. Nach einem kleinen Abstecher zum Schneehotel kehrten wir zum Schiff zurück, gerade pünktlich zum Auslaufen. Auf der Fahrt zurück über die Barentsee frischte der Wind heftig auf und brachte unser Schiff in eine konstante Seitenlage. Beim letzten Landgang in Vardø wurde man schliesslich fast weggeblasen, was das Laufen auf Eis nicht einfacher machte und zu einer schnellen Rückkehr aufs Schiff führte. Dieser Wind sollte uns den Rest der Reise begleiten.

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07. März: Honningsvåg - Havøysund - Hammerfest - Tromsø

Am Morgen passierten wir verschiedene kleine Häfen und die MS Kong Harald. Auch die hatte etwas Schräglage, der Wind blies immer noch heftig und damit war das Meer auch entsprechend unruhig. Nur störte das bei diesem strahlenden Sonnenschein eigentlich keinen so richtig. Nur wurde diesmal das Schiff in den Häfen doppelt so gut vertäut wie sonst! In Hammerfest legten wir an diesem Tag zum ersten Mal etwas länger an (90 Minuten), gerade Zeit genug, um Mitglied des Internationalen Eisbären-Clubs zu werden. Am Nachmittag dann der wunderschöne Sørøysund, den wir auf der Nordfahrt in der Nacht passiert hatten. Gegen Abend zogen dann Wolken auf. Nach dem Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale in Tromsø  zeigte sich der Vollmond ein letztes Mal, dann sollten Wolken, Wind und Regen unsere weiteren Begleiter sein.

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08. März: Finnsnes - Harstad - Sortland - Svolvær - Stamsund

Beim Anlegen in Harstad kreuzten wir die MS Midnattsol. Zum Schauen hatte ich nicht lange Zeit, wartete doch ein Bus auf uns, um uns über die Vesterålen-Inseln zu fahren. Leider war das Wetter etwas grau und die Schönheit dieser Gegend konnte man nur in etwa erahnen. Trotzdem war es sehr spannend, vor allem bei der Ankunft in Sortland, wo wir das Schiff wieder besteigen sollten. Da bot sich kurz vor dem Hafen die Gelegenheit, unser Schiff von einer Brücke aus einmal aus der Vogelperspektive zu betrachten. Am Abend fuhren wir dann wieder in den schmalen Raftsund ein, diesmal leider bei ganz schlechter Sicht.

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09. März: Bodø - Sandnessjøn - Brønnøysund - Rørvik

Nach einer sehr stürmischen, nächtlichen Überfahrt (Windstärke 8) von den Lofoten zurück nach Bodø überquerten wir um 9.23 h den Polarkreis wieder in südlicher Richtung, diesmal stand ich mit der Kamera bereit. Dieser Tag - mein letzter ganzer Tag an Bord - war bedingt durch das schlechte Wetter ein Relax-Tag ohne grosse Highlights. Bis auf das Captain's Dinner am Abend: mit einem Glas Sekt mit dem Kapitän anstossen ist schon was Besonderes. Und das Essen dazu war wieder oberlecker. Gegen 23.00 h ging es dann wieder los mit den Wellen, die Folda zeigte sich in dieser Nacht von ihrer ganz besonders rauhen Seite. Zum Glück lag ich im schon im Bett und wurde so etwas unsanft in den Schlaf geschaukelt.

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10. März: Ausschiffen in Trondheim

Um 4.00 h wurde unsere Fahrt wieder ruhiger, wir hatten den Trondheimfjord erreicht. Im Hafen angekommen (7.00 h) brachte ich dann erst  den Koffer zum Bahnhof, und frühstückte dann zurück auf dem Schiff erst einmal gemütlich. Um 10.00 h lief die MS Nordstjernen dann wieder aus - ohne mich! Ganz allein stand ich am Pier und schaute traurig hinterher. Wie gerne wäre ich - trotz schlechtem Wetter und stürmischer See - ganz zurück nach Bergen gefahren. An der Reling winkten meine neuen Bekannten noch lange mit ihrem Badetüchern. Vom Gefühl her (auch im Rückblick) war meine Reise hier zu Ende. Eine ganz besondere und einmalige Reise!

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10./11. März: Mit der Dovrebahn nach Oslo und dann heim

Keine gute Idee, mit der Dovrebahn nach Oslo zurück zu kehren, wie sich nachher zeigte. In Trondheim regnete es so heftig, dass man zwischen Burger  King und Bahnhof schon platschnass wurde. Im Zug hatte ich statt einem Fenster eine Wand vor den Augen und nach zwei Stunden wurde es sowieso dunkel (hätte ich mir ja ausrechnen können!). Der andere Morgen in Oslo war zwar sonnig, aber weil Sonntag: alles zu und leer, ausser ein paar Betrunkenen und Bekifften, die den Heimweg noch nicht gefunden hatten und sehr unangenehm auffielen. Irgendwie war die Reise eh gelaufen und darum machte ich mich etwas früher als geplant auf zum Flughafen. Mit einer uralten SAS-Klapperkiste hopperten wir dann zurück nach Kloten. Der Lichtblick des Tages: Das Abhol-Kommitee am Flughafen - mit Svala. 

 


Trotz dem etwas unglücklichen Schluss eine sehr gelungene Reise mit vielen Eindrücken, wie die Nordlichter, das Nordkap und die Huskys. Ausserdem habe ich viele spannenden Menschen getroffen und kennen gelernt. Durch sie und mit ihnen wurde die Reise zu einer ganz besonderen. Danke euch allen! Und danke der alten MS Nordstjernen, die unterdessen pensioniert ist und einer ungewissen Zukunft entgegen geht.


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